2016 ohne shoppen- mein Fazit

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Ja, tatsächlich, mein Jahr ganz ohne Klamottenkauf für mich und fürs Kind ist vorbei. Wie, wo, was? Lest hier nach, worum es gehtDeshalb, bzw. weil ihr mich ja das ganze Jahr beim nicht-shoppen begleitet habt, möchte ich Euch natürlich nun erzählen, wie es mir so ging, was ich daraus gelernt habe und so weiter und sofort. Aber wie fange ich an?

Am Besten wohl ganz, ganz vorne, und zwar mit meinem ersten, in 2016 für mich genähten Kleidungsstück- einer Marseille von Pech&Schwefel:



Hm, achso, kennt ihr schon... Moment!

Besser? Super, dann kanns ja weitergehen...

Ich hatte mir vorgenommen, ein Jahr lang, keine Kleidung zu kaufen, denn mich stören einfach die wirklich miesen Bedingungen, unter denen der Großteil der Klamotten hergestellt wird. Ich hatte mir also erhofft, in diesem Jahr einen Weg zu finden, dieses System nicht auch noch zu unterstützen und den Näherinnen ein besseres Leben zu ermöglichen. 
Mein Fazit, kurz und schmerzlos:

Es hat nicht geklappt.

So. Das klingt jetzt irgendwie ziemlich nüchtern, aber genauso fühle ich mich auch.
Achso, um das kurz klarzustellen. Das nix-kaufen hat sehr wohl geklappt. Sehr gut sogar. Ich hatte nicht einmal das Gefühl, dass mir shoppen fehlt. Ich war glücklich, mich nicht in Umkleidekabinen zwängen zu müssen und stinkende Klamotten anzuziehen, die schon zig Menschen vor mir anhatten. Gut, eine neue Jeans brauche ich, aber ich habe auch ohne sie überlebt. Super bequem war es auch, mir so gar keine Gedanken machen zu müssen wie "Kauf ichs, oder nicht?"


Allerdings hat mich genau das, also dass ich mir keine Gedanken machen musste, auch schnell gestört. Denn das nicht-kaufen war so bequem, dass ich schnell vergaß, wieso ich das eigentlich tue. Also habe ich angefangen, nach Firmen zu suchen, die ihre Kleidung fair oder wenigstens fairer herstellen lassen. Da gibt es einige! Armed Angels, Gary Mash, Adenauer, Melawear- die Liste ist wirklich lang! Schaut z.B. mal beim Avocado Store vorbei, dann seht ihr, was ich meine!

Da hätte ich zufrieden und glücklich sein können- war ich aber nicht. Denn so ganz wollte sich mir nicht erschließen, wie das denn nun den Näherinnen hilft. Denn trauriger Fakt ist, dass die Frauen (ja, es sind fast NUR Frauen) diese Jobs brauchen- und seien sie noch so furchtbar. 

Die Shops die damit werben, nur in Europa nähen zu lassen und ihre Mitarbeiter fair zu bezahlen finde ich großartig! Sie sehen sich in einer Vorbildfunktion und gehen wirklich mit wunderbarem Beispiel voran, das meine ich ganz ehrlich! Nur was ist mit den Näherinnen in Asien z.B.? Die, die nur ein ganz paar Cent für die aufwendigst hergestellten Kleidungsstücke bekommen? Also habe ich weitergesucht nach einem Laden, der genau dort produzieren lässt, aber eben fair bezahlt. Auch die gibt es! Jedoch wurde ich schnell auf den harten Boden der Tatsachen zurückgeholt. Denn diese Firmen sind leider noch so rar gesät, dass um deren gutbezahlte Jobs regelrechte Kriege ausgefochten werden, bei denen Menschen mitunter ihr Leben lassen. 
Puh...

Was ist also meine Lösung, nach einem Jahr voller Grübeln und forschen?

Ich habe keine.

Jedenfalls keine allgemeingültige, perfekte und weltrettende.

Klar ist: Mir jede Woche irgendwelche neuen Klamotten zu kaufen, alte Sachen wegzuschmeißen und am Besten kein Kleidungsstück mehr als zweimal zu tragen ist der absolut falsche Weg! Fairtrade Kleidung und regional hergestellte Klamotten zu kaufen ist schon der richtige Weg, aber am Wichtigsten ist es mir, die Dinge, die ich habe, mehr zu schätzen. Das Kleid im Laden mitzunehmen (oder mir zu nähen, wo wir gerade dabei sind), nur weil ich es so hübsch finde, reicht mir nicht mehr, denn was nützt es, wenn das ach so schöne Teil dann nur im Schrank herumliegt? 

Bestimmt erinnert ihr Euch daran, dass ich neben dem selber nähen auch ganz viel Second-Hand Mode tragen wollte im letzten Jahr?! Das habe ich leider nicht geschafft. Ein Kleid für mich das wars. Ich war in einigen Läden, klar! Manche hatten jedoch so lächerliche Preisvorstellungen (20€ für ein offensichtlich viel getragenes h&m Shirt? Nö!), in manchen roch es ziemlich unangenehm und viele waren schlichtweg so voll, dass ich die schlafende Pieps in ihrem Kinderwagen einfach nicht hineinbekam. Online bei Mamikreisel oder ebay bin ich zu oft auf die Nase gefallen, denn ich muss Kleidung einfach anprobieren, bevor ich sie kaufe und das ist natürlich bei diesen Portalen schwer. Aber bei dieser Sache gebe ich nicht auf! Und meine Pieps ist in vielen, vielen Klamotten herumgelaufen, die entweder ihre Cousinen oder älteren Freunde bereits vor ihr trugen. Das hat super geklappt!

Was ich für mich aus meinem Jahr ganz ohne shoppen wirklich mitnehme, ist, dass wirklich schöne Kleidung nicht "out of fashion" kommen kann. Und selbst wenn. egal! Sie muss mir gefallen, mir ganz allein. Deshalb nähe ich nun vermehrt schlichte Klamotten, die man einfach besser kombinieren kann, damit ich meine Kleidung tragen kann, bis sie entweder auseinanderfällt, oder einen neuen Besitzer findet, der sich richtig freut. Ich glaube, wenn die Masse ein Kleidungskäufen zurückginge, würde sich auch die Fashionindustrie irgendwann anpassen müssen und weniger herstellen- dafür zu besseren Konditionen. Genau aus dem Grund, werde ich von nun an eben jene Marken unterstützen, die ich bereits aufgezählt habe, sowie hoffentlich einige andere faire Labels. Denn wenn deren Umsatz steigt müssen sie wachsen, können somit mehr gute Arbeitsplätze anbieten und den Billigkonzernen zeigen, dass es eben doch anders geht! 

Ja, und jetzt "darf" ich wieder shoppen. Und ich freue mich schon so, so sehr darauf, mir bald im ChaCha in Ludwigsburg eine Jeans zu kaufen. Dort führen sie nämlich Hosen einiger fairer Labels was super ist, denn ich werde einige anprobieren müssen. Nach ca drei Jahren ohne neue Jeans habe ich nämlich keine Ahnung, welche Größe ich brauche. Zumal ja auch noch eine Schwangerschaft in diesen drei Jahren lag.

Ich kann und werde nicht versprechen, dass ich ab jetzt nur noch faire Mode trage und nur mit Ökotex zertifizierten Stoffen nähe, das ist wohl leider unrealistisch, denn ganz sicher werde ich mich auch in andere Stoffe und Kleidungsstücke verlieben, die meinen Kleiderschrank perfekt ergänzen und evtl. sogar andere Käufe unnötig machen. Aber ich werde nurnoch Kleidung kaufen oder herstellen die ich ganz sicher dann auch trage! Versprochen!!

So und nun noch zu den Fotos :) Ja, es ist wieder die Marseille. Mein Jahr endet also, wie es begonnen hat und nach wie vor liebe in den Schnitt heiß und innig. Dieses Kleid ist so unfassbar bequem dass ich es ständig tragen möchte. Und es kann zaubern, denn normalerweise kann ich nix tragen, was ein Taillenband hat oder übers Knie geht. Marseille hat gleich beides und sieht trotzdem toll aus. Ja, ich bin verliebt! Den Stoff habe ich mir auf der Nähmesse bei einem Stand ohne Onlineshop gekauft.

Und jetzt: Auf in ein neues Jahr! Möge 2017 ganz großartig für uns alle werden!

F2

Verlinkt beim RUMS

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10 Kommentare

  1. Deinen Bericht finde ich großartig! Sehr ehrlich. Denn da gebe ich die Recht: nichts mehr kaufen ändert leider auch nichts. Danke fürs Teilen deiner Erfahrungen! Und viel Spaß beim Jesns kaufen. :)

    Liebe Grüße
    Sarah

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  2. Prima, dass du deine Gedanken teilst. Ich suche auch noch den goldenen Mittelweg. Leider ist bei Biostoffen die Auswahl noch nicht so groß.
    Mein Ergebnis: Lieber wenige hochwertige Kleidung, die man trägt,als viele billige Stücke.
    Wenn jeder ein kleines Stückchen ändert, gibt es große Veränderungen

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  3. Kennst du das Label Glimpse? http://www.glimpse-clothing.com/ Die Mode wird von indischen Näherinnen, die von Glimpse ausgebildet werden, in der eigenen Werkstatt dort produziert und bietet so Frauen, die Schlimmes erlebt haben, eine neue Perspektive. Und die Kleidungsstücke sind wunderschön.

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    1. Oh das kenne ich tatsächlich nicht- klingt aber großartig! Ich geh direkt mal schauen!!
      Danke für den Tip

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  4. Danke fürs Teilen deiner Erfahrung und Gedanken. Sehr interessant.

    Herzlich Daniela

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  5. Mir gefällt dein Kleid wirklich gut, besonders in der Kombination mit dem Gürtel;) Ich befinde mich in einem ähnlichen Zwiespalt wie du. Denn die Menschen in den Textilfabriken sind auf ihre Jobs angewiesen, auch wenn man nicht darüber diskutieren muss, dass die Arbeitsbedingungen unbedingt geändert werden müssen. Ich habe für mich einen ähnlichen Mittelweg wie du gefunden. Ich nähe mir viel selbst und das was ich mir noch nicht zutraue zu nähen, kaufe ich von Marken, die sich für faire Arbeitsbedingungen einsetzen. Ich achte darauf mir bei jedem Kauf genau zu überlegen, ob ich das Kleidungsstück gut kombinieren kann und es auch häufig tragen werde. Dadurch konsumiere ich deutlich weniger und schätze die einzelnen Stücke, die ich besitze sehr viel mehr wert.
    Vielen Dank für deinen tollen Artikel und deine Gedanken zu diesem wichtigen Thema.
    Liebe Grüße, Crissie

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    1. Ich glaube, Du bist meine Shopping-Schwester im Geiste :) Besser hätte ich es nicht ausdrücken können!
      F2

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Perfekt genug